16.November 2017

Hochwasserrückhaltebecken Niederpöbel (HRBNP)

Ansicht von Süden: Links oben die Hochwasserentlastung, vorn die Portalwand mit Straßen- und Ökodurchlass und Flügelwänden, dahinter der Schieberturm, in dem sich die Schotte zum Verschließen der Durchlässe befinden. Dazwischen wurden die Schüttabschnitte 1 und 2 mit einem ersten Abschnitt der Asphaltinnendichtung realisiert. Rechts ist die Baustelleneinrichtung für die Untergrundinjektion.
Ansicht von Süden: Links oben die Hochwasserentlastung, vorn die Portalwand mit Straßen- und Ökodurchlass und Flügelwänden, dahinter der Schieberturm, in dem sich die Schotte zum Verschließen der Durchlässe befinden. Dazwischen wurden die Schüttabschnitte 1 und 2 mit einem ersten Abschnitt der Asphaltinnendichtung realisiert. Rechts ist die Baustelleneinrichtung für die Untergrundinjektion.
Montage des eingehängten Schotts mit dem Fischbauch im Straßendurchlass.
Montage des eingehängten Schotts mit dem Fischbauch im Straßendurchlass.
Seit dem symbolischen 1. Spatenstich am 31.07.2014 sind nunmehr drei Winter ins Land gegangen, der vierte steht bevor. Seitdem ist viel passiert im Nebental der Ahnungslosen, am HRBNP. Über den jeweiligen Fortgang der Arbeiten berichteten wir bereits.
Derzeit sind die Injektionsarbeiten am Osthang im Gange. Dabei werden über Bohrungen offene Klüfte im Fels verschlossen und die Wasserunterläufigkeit des Steinschüttdammes reduziert.
Die Arbeiten an den Stahlbetonbauwerken für Grundablass, Öko- und Straßendurchlass sowie am Schieberturm sind weitgehend realisiert. Der Pöbelbach fließt bereits durch das Bauwerk.
Auf den Schieberturm kommt nach der Dammschüttung noch das Betriebsgebäude mit der Technik zur Bedienung der Dammtore (Schotte). Derzeit werden die Flügelwände seitlich der Portalwand hergestellt. Am Westhang wird von der Dammschulter aus die Hochwasserentlastung gebaut. Dieser Überlauf, der im Ereignisfall ein Überfluten der Dammkrone verhindern soll, mündet in ein Tosbecken, in dem die Energie des Wassers gebrochen wird, bevor es seinen Weg im Tal fortsetzen kann.
Zwischen Durchlassbauwerk und Westhang wurde inzwischen auch der Damm in den Schüttphasen 1 und 2 geschüttet. Dabei wurde auch die Asphaltinnendichtung (AID), auf dem Verpresswiderlager beginnend, als Handeinbau realisiert. Im kommenden Jahr soll die AID mit einem Spezialfertiger bis zur Dammkrone hergestellt werden. Parallel dazu erfolgt die Schüttung des Dammes.
Nebenschauplatz ist die Seitenentnahme. Hier werden die erforderlichen Massen für die Dammschüttung in einem eigens angelegten Steinbruch aus dem Berg gesprengt. Zum Teil werden die gesprengten Gesteinsmassen direkt zum Damm transportiert und eingebaut. Ein Teil wird auch mittels Brecher und Siebanlage aufbereitet. Dieses Material wird als Schutz- und Filterschicht an den Betonbauteilen und an der AID eingebaut.
Entgegen früherer Vorgaben, die Staatsstraße S183 über die Bauzeit befahrbar zu halten, ist sie seit geraumer Zeit über den Bereich der Baustelle gesperrt. Für den Baustellenverkehr wird der Straßendurchlass bereits genutzt.
Am 08./09.11.2017 wurden, als besonderes Highlight, die vier Dammtore in den Schieberturm eingehangen. Dazu war ein aufgerüsteter 360-Tonnen Autokran erforderlich, der die Schotte für den Straßen- und den Ökodurchlass in den Schieberturm gehoben hat. Ein Schott für den Straßendurchlass misst 6 x 9 m und wiegt ca. 45 Tonnen. Dazu kommt der etwa 60 cm hohe Fischbauch zur Versteifung der Stahlkonstruktion am unteren Ende mit rund 8 Tonnen. Für den Ökodurchlass wurden auf 4,5 x 6 m ca. 36 Tonnen Stahl verbaut. Falls ein Tor versagt, gibt es in jedem Durchlass einen Zwillingsschott.
Bis zur Montage der Antriebe mit den Aufhängevorrichtungen stehen die Schotte auf jeweils zwei Stützen in Bereitschaft über der Zwischendecke der beiden Durchlässe.
Die Sächsische Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 11./12.November ausführlich.
Das Hochwasserrückhaltebecken Niederpöbel soll mit verhindern, dass das Wasser der Weißeritz wie 2013 seinen Weg durch den Dresdner Hauptbahnhof sucht. Überlegungen dazu gab es bereits vor etwa 100 Jahren. Damals waren sieben Becken vorgesehen, um die Wassermassen aufzuhalten. Dass so lange bis zur Umsetzung der Hochwasserschutzmaßnahme gedauert hat, soll nicht heißen, dass die Planung so lange gedauert hat. Damals gab es auch noch keine Talsperrenverwaltung.

Ansprechpartner

Dipl.-Geol. Ortwin Künzel, öBÜ, Büro Gera
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